Leitbild
Warum ein Leitbild für die Graphische?
Seit der Gründung im Jahr 1888 ist die Höhere Graphische Bundes-Lehr- und Versuchsanstalt in Österreich zur führenden Institution bei der Ausbiidung von Druck- und Medientechnikern, Fotografen und Grafik-Designern geworden. Die Absolventen der Graphischen sind weit über die Grenzen Österreichs hinaus begehrte Mitarbeiter und finden sich bei führenden Arbeitgebern oder haben sich erfolgreich selbständig gemacht. Dieser Vorsprung muss verteidigt werden: die Berufe der Kommunikations- und Medienbranche sind einem starken Wandel unterworfen, und neue Ausbildungsalternativen drängen auf den Bildungsmarkt. Höchste Zeit also, den derzeitigen pädagogischen und technischen Stand zu überprüfen und gleichzeitig neue Ziele zu stecken.
Das Leitbild der Graphischen ist das Resultat wiederholter Treffen und Diskussionen, zu denen alle Lehrer des Hauses eingeladen wurden. Manche Punkte dieses Leitbildes mögen utopisch erscheinen; dies ist notwendig, denn nur wenn "die Latte höher gelegt" ist, können auch hochgesteckte Ziele erreicht werden.
In diesem Sinne möge dieses Leitbild verstanden werden — als Leitfaden für das Verhalten von Lehrern, Schülern und Eltern, mit dem Ziel die Vorrangstellung der Graphischen zu festigen und weiter auszubauen.
Mag. Martin Dunkl
1 Ausbildungsziele
1.1 Ausbildung für Berufe der visuellen Kommunikation und Medientechnik
Die Schüler der Graphischen können unter vier Fachgebieten für ihre Berufsausbildung wählen:
- Druck- und Medientechnik
- Fotografie
- Grafik-Design
- Multimedia
In den Höheren Lehranstalten erreichen unsere Schüler die Matura und werden auf einen Beruf in der Medien- und Kommunikationsbranche vorbereitet. In den Kollegs werden Studierende in Berufen der Medien- und Kommunikationsbranche ausgebildet. In bestimmten Lehrgängen können Berufspraktiker ihr fachliches Können und Wissen perfektionieren und Matura erlangen. In der Abteilung Druck- und Medientechnik wird zusätzlich eine Fachschule geboten, die eine Lehre ersetzt.
1.2 Entwicklungsfähigkeit und Anpassungsfähigkeit
Nicht nur die rasche Einsatzfähigkeit in der Wirtschaft ist unser Ausbildungsziel, sondern vor allem fundiert ausgebildete Praktiker, die aktuelle Technologien grundsätzlich beherrschen und bereit sind, die spezifischen Anforderungen ihres Arbeitsplatzes schnell zu erlernen.
1.3 Erziehung zum verantwortungsvollen Bürger.
Es werden ethische Werte, wie Demokratie, Solidarität, Toleranz und Gedankenfreiheit vermittelt.
2 Ausbildungsinhalte
2.1 Allgemeinbildung und Fachwissen
Neben dem für die Berufsausbildung notwendigen praktischen und theoretischen Fachwissen werden, je nach Ausbildungsstufe, allgemeinbildende Fächer unterrichtet. Besonderer Wert wird auf den sicheren Umgang mit der Sprache und gute Kenntnisse des Wirtschaftslebens gelegt.
2.2 Solide Grundausbildung und Kenntnis der zeitgemässen Technologien.
Alle erforderlichen Computerprogramme und Verarbeitungstechnologien werden auf dem neuesten Stand der Technik unterrichtet. Die Grundprinzipien moderner Technologien werden auch durch das Ausüben traditioneller Arbeitsmethoden und der Praxis an traditionellen Geräten gelernt.
2.3 Entwicklung der individuellen Begabung.
Die Ausprägung eines persönlichen Stils und besonderer Fähigkeiten ist ein wichtiger Erfolgsfaktor in den gestalterischen Berufen der Kommunikationsbranche. Individuelle Begabungen werden geweckt und gefördert.
3 Ausbildungmethoden
3.1 Große Ausbildungsbreite
Eine große Breite an Fächern und Workshops garantiert die umfassende Ausbildung.
3.2 Erfahrung statt Auswendiglernen
Theoretische Inhalte werden auch praktisch angewendet. Die praktische Arbeit wird durch Theorieunterricht vorbereitet und ergänzt. Externe Spezialisten werden zu Vorträgen und Workshops eingeladen.
3.3 Aktuelle Infrastruktur
Der Gerätepark der Graphischen ist auf dem aktuellen Stand der Technik und gewähleistet eine zukunftssichere Ausbildung.
3.4 Erfahrung
Aktuellen Arbeitsweisen und Wirtschaftsbezug mittels Wettbewerbsteilnahmen, Diplomarbeiten, Auftragsarbeiten und Firmenpräsentationen bilden eine Brücke zwischen Schule und Wirtschaft und vermitteln Einblicke in die Berufsrealität.
3.5 Verknüpfung mit aktuellen Ereignissen
Durch den gemeinsamen Besuch und anschliessende Aufarbeitung von Ausstellungen, Messen, Diskussionsveranstaltungen etc. wird aktuellen Entwicklungen Rechnung getragen.
3.6 Einzelleistung und Teamwork
Wir bekennen uns zur individuellen Leistung und fördern sie durch Wettbewerbe und Notengebung. Gleichzeitig macht die im Berufsleben notwendige Zusammenarbeit mit anderen Spezialisten und das partnerschaftliche Arbeiten mit dem Auftraggeber Teamgeist erforderlich. Diese Fähigkeit wird durch Gruppenarbeiten, regelmässige Projektbesprechungen und Präsentationen vor der versammelten Klasse gefördert.
3.7 Abteilungs- und fächerübergreifendes Lernen
Die einmalige Kombination von vier wesentlichen Abteilungen für die Mediengestaltung und -produktion ermöglicht, dass bereits in der Ausbildungsphase die später notwendige Zusammenarbeit mit angrenzenden Spezialbereichen geübt werden kann.
3.8 Vielfalt statt Eingleisigkeit
Die Vermittlung unterschiedlicher Lehrmeinungen erzieht die Schüler und Studenten zur Kritikfähigkeit. Vielfältige Lehererpersönlichkeiten sind die Voraussetzung für eine vielseitige Ausbildung.
4 Lehrerprofil
4.1 Praktiker statt "Pauker"
Die Lehrer der Graphischen sind neben ihrem Lehrauftrag als Praktiker in der Medien- und Kommunikationsbranche oder in der hauseigenen Versuchsanstalt tätig und können auf eine mehrjährige Berufspraxis verweisen.
4.2 Aktuelles Wissen
Lehrer der Graphischen vermitteln nicht nur einmal erworbenes Wissen, sondern aktuelle Erkenntnisse und Erfahrungen. Sie informieren sich laufend über den aktuellen Stand von Technologie, Arbeitsmarkt und zeitgemässen Stilentwicklungen. Ihre Erkenntnisse geben sie auch an ihre Lehrerkollegen weiter.
4.3 Fachliche Autorität und partnerschaftliche Pädagogik
Unterrichtet wird von erfahrenen und erfolgreichen Fachleuten, die Mängel kompetent analysieren und Verbesserungen anbieten können, ohne die Schüler und Studenten zu entmutigen.
4.4 Klare Beurteilungen
Die Qualität von Leistungen und das Ausmaß des jeweiligen Fortschrittes werden von den Lehrern der Graphischen auf der Grundlage von allgemein verständlichen und definierten Kriterien beurteilt.
4.5 Kooperation und Kommunikationsfähigkeit
Die Lehrer der Graphischen kommunizieren mit ihren Kollegen regelmässig und schaffen somit die Basis für fächerübergreifendes Lehren und Lernen. Der fachtheoretische Unterricht nimmt Bezug auf die Projektarbeiten. In den allgemeinbildenden Gegenständen wird der soziokulturelle Kontext berücksichtigt.
4.6 Kritische Reflexion
Das Verhältnis zu Schule, Fach, zeitgemässer Technologie, Pädagogik und Didaktik wird von den Lehrern laufend überprüft.
5 Schüler- und Studentenprofil
5.1 Begabung
Die zum Erlernen eines Berufes in der Kommunikationsbranche unerlässliche gestalterische Begabung beweisen die Schüler und Studenten vor dem Schuleintritt bei einem Eignungstest.
5.2 Leistungswille
Nur wer bereit ist überdurchschnittliche Leistungen zu erbringen, kann in der Medien- und Kommunikationsbranche erfolgreich sein. Die Schüler und Studenten der Graphischen sind bereit, ein Maximum an Zeit für ihre Ausbildung zu investieren.
5.3 Hunger nach Neuem
Die Schüler und Studenten der Graphischen besuchen relevante Ausstellungen und Veranstaltungen, gehen mit offenen Augen durch die Welt und bringen ihre Erfahrungen in den Unterricht ein. Sie interessieren sich für neue Technologien und aktuelle kulturelle Entwicklungen.
5.4 Kritikfähigkeit und Zivilcourage
Die Schüler und Studenten der Graphischen artikulieren ihre Kritik an verbesserungswürdigen Zuständen in Schule und Gesellschaft und arbeiten aktiv an der Beseitigung von Missständen mit. Meinungen von Mitschülern und Lehrern sowie Entwicklungen im Beruf werden kontroversiell diskutiert.
6 Elternprofil
6.1 Ermutigung
Die Eltern fördern die Ausbildungsentscheidung ihrer Kinder und interessieren sich für deren Fortschritte.
6.2 Unterstützung
Die Eltern ermöglichen ihren Kindern die Anschaffung notwendiger Ausbildungsmaterialien und -geräte.
Zuletzt geändert am
1.12.2008